
Bild: TU Kaiserslautern, Fotograf: Sven Paustian
An der TU Kaiserslautern forderte ein Seminar der Professoren Bernd Meyerspeer (Fachbereich Baukonstruktion) und Dirk Bayer (Digitales und Methodisches Entwerfen) den Entwurf eines Weinberghauses aus Hochleistungsbeton. In der Entwurfsvorstellung wurden den Studierenden Hinweise zum Umgang mit dem Material und den aus ihm resultierenden Entwurfsprinzipien gegeben. So sollte sich der Entwurf z. B. aus einer Addition einzelner vorgefertigter Module zu einem in sich schlüssigem System begründen, bei dem die Öffnung als fehlen eines Moduls verstanden werden kann. Der Entwurf von Christoph Perka wurde als Versuchs- und Forschungsgebäude schließlich in Wörrstadt, im rheinlandpfälzischen Landkreis Alzey-Worms, umgesetzt. Wir sprachen mit Christoph über seine Arbeit.
Zuerst die Frage, die uns am meisten interessiert: Wie dick sind eigentlich die Platten, aus denen das Weinberghaus zusammengesetzt ist?
Wir haben die Fertigteile aus Hochleistungsbeton gegossen. Das Material ist selbstverdichtend und mit feinen Stahldrahtmatten bewehrt. Die fertigen Platten sind daher nur drei Zentimeter dick!
Wie muss man sich die Umsetzung Deines Entwurfes vorstellen? Vorfertigung in der Werkstatt? Montage vor Ort?
Ja, montiert wurden die sieben Fertigteile vor Ort im Weinberg. Aber zuerst mussten die Schalungen hergestellt werden. Das haben wir in der Modellbauwerkstatt der Uni Kaiserslautern gemacht. Dort haben wir auch die Bodenplatte gegossen. Die Teile für Wände und das Dach konnten wir in einem Betonfertigteilwerk gießen lassen. Von dort wurde dann alles zur Montage nach Wörrstadt gebracht und mit einem Kran montiert.

Schalung; Bild: TU Kaiserslautern, Fotograf: Sven Paustian

Bild: TU Kaiserslautern, Fotograf: Sven Paustian

Bild: TU Kaiserslautern, Fotograf: Sven Paustian
Was habt Ihr als Studenten bei der Umsetzung selbst machen können, oder wo waren die Fachleute gefragt?
Wir waren an allen Arbeitsschritten beteiligt und haben überall Hand angelegt. Die Schalungen habe ich selbst zusammen in der Werkstatt an der TU Kaiserslautern zu einem Bausatz vorproduziert. Bei der Herstellung der Fertigteile wurden wir von den Fachleuten aus dem Materialprüfamt an der TU und im Betonfertigteilwerk unterstützt.
Jetzt zum Entwurf; schließlich ist das ja doch die Kernaufgabe eines Architekten: Was ist die zentrale Idee?
Früher waren Weinberghäuser vor allem witterungsgeschützte Räume für die Weinbauern. Auch Material und Werkzeuge wurden hier gelagert. Meistens waren es einfach gebaute “Einräume” mit kleinen Fensteröffnungen. Heute setzen sich die Weinbauern bei Unwetter ins Auto oder bleiben bei Regen einfach auf ihren Erntemaschinen sitzen. Die Weinberghäuser sind daher heute nicht mehr Schutzraum, sondern vielmehr ein Platz mit Aussicht für Wanderer und Spaziergänger. Mit dem Entwurf möchte ich traditionelle und moderne Ansätze der Nutzung und Gestaltung verbinden.

Bild: TU Kaiserslautern, Fotograf: Sven Paustian
Weinberghäuser faszinieren wegen ihrer archaischen Form und ihrer romantischen Lage mitten im Weinberg. Was hat Dich an der Aufgabe fasziniert?
Ich komme selbst aus einer vom Weinbau stark geprägten Region, deshalb hat mich die Aufgabe sehr interessiert und ich konnte meine bisher gesammelten Erfahrungen rund um den Weinbau nutzen. Das Haus sollte der schönen, aber auch schroffen Landschaft der Weinberge ein markantes und ehrliches Äußeres entgegen setzen und dem Besucher zugleich einen angenehmen Innenraum bieten: Im Haus können sich Menschen gegenübersitzen, sich unterhalten oder den Ausblick genießen.
Welche Rolle spielt das Material bei der Entwicklung der Idee? Schließlich war es ja vermutlich von Anfang an die Aufgabe “irgendwas mit Beton” zu machen, oder?
Ja, die Arbeit mit Hochleistungsbeton war Bestandteil der Aufgabe. In der Entwurfsvorstellung wurden uns Hinweise zum Umgang mit dem Material und den daraus resultierenden Entwurfsprinzipien gegeben. Der Entwurf sollte aus der Addition einzelner vorgefertigter Module zu einem in sich schlüssigen System bestehen.Mit dem Baustoff Beton konnten wir den gewünschten Gegensatz zwischen “Innen” und “Außen” erreichen, weil wir die einzelnen Fertigteile liegend geschalt haben: Die raue Gussseite zeigt nach außen und gibt dem Weinberghaus sein natürlich anmutendes Äußeres. Die glatten Schalungsseiten zeigen nach innen und bilden den behaglichen Innenraum.
Kannst du noch etwas zu den Details sagen? Sind Platten miteinander verbunden? Ist das Weinberghaus regendicht? Was ist bautechnisch noch erwähnenswert?
Die sieben Fertigteilelemente des Weinberghauses sind auf Gehrung gefügt und über ein Nut-und-Feder-Stecksystem miteinander verbunden bzw. verklebt. Diese Art der Verbindung habe ich aus dem Holzbau übernommen. In Kombination mit den 45 Grad-Winkeln des Baukörpers ergeben sich daraus einige statische Vorteile. Das Dach folgt den Winkeln des Grundrisses mit einer Neigung von 45 Grad. Dadurch konnte ich für die Anschlusspunkte Wand-Wand und Wand-Dach einheitliche Verbindungsgeometrien entwickeln. Der Feinkornbeton, den wir verwendet haben, ist nicht nur sehr fest, sondern auch besonders dicht. Deshalb konnten wir auf eine zusätzliche Dachabdichtung verzichten.
Man sieht immer nur die schönen Fotos vom fertigen Objekt, der Montage usw…. Was ist den zwischendurch so richtig schief gegangen?
Vor allem die Herstellung der dünnen Platten mit den sehr feinen Bewehrungsmatten war anspruchsvoll. Da haben wir viel ausprobiert und gelernt.
Damit die Montage glatt über die Bühne geht, haben wir das Weinberghaus noch im Betonfertigteilwerk probeweise zusammengebaut. Natürlich ohne Klebstoff. Der Aufbau im Weinberg wurde anfangs durch starken Wind um ein paar Stunden verzögert. Aber als der Kran dann loslegen konnte, lief die Montage ohne nennenswerte Probleme ab.
Vielen Dank für das Gespräch!

Christoph Perka

