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105 Studierende von 37 deutschen Hochschulen haben die unterschiedlichsten Projekte zum diesjährigen Concrete Design Competition eingereicht. Wir stellen hier die drei siegreichen Arbeiten vor, die – 1,5km lang, 2m dick, 2,5cm dünn – diese Bandbreite eindrucksvoll widerspiegeln. Den Anfang macht „Red Sands Project – a new neighborhood in the ocean“ von Virginia Clasen von der Fachhochschule Düsseldorf. 

Ellipse_Schleuse

Mit einem außergewöhnlichen Entwurf gelang ihr ein vielschichtiger, atmosphärisch ergreifender Wettbewerbsbeitrag, der das Thema “Metamorphosis“ in beeindruckenden Dimensionen umsetzt. Durch einen archaisch wirkenden Betondamm transformiert er eine verlassene militärische Seefestung in ein Forschungszentrum für Astronomie und Meeresenergie und gewährleistet so neben dem Erhalt dieser einzigartigen baulichen Struktur eine zukunftsweisende Nachnutzung.

ConcreteDesignCompetition_2015_16_Preis_VirginiaClasen_1Die im 2. Weltkrieg errichtete Seefestung Red Sands, eine Gruppe befestigter Stahltürme, steht verlassen im flachen Gewässer der Themse-Mündung vor der Küste Großbritanniens. Mit ihrer Arbeit untersucht die Verfasserin die Struktur der historischen Türme und die ihre Umgebung prägenden Faktoren wie Strömungsrichtungen und Gezeiten und setzt sich mit den spezifischen Produktionsbedingungen von Offshore-Bauten auseinander. Sie schlägt die Umfassung der Anlage durch einen 1,5 km langen, elliptischen Damm aus vorgefertigten Betonelementen vor, der eine Nutzung als Forschungszentrum für Astronomie und Meeresenergie ermöglicht und dem Ort eine Sichtbarkeit und neue Bedeutung verleihen soll.

__000rs_gr ansichtDas monumentale Bauwerk legt sich schützend um die Türme und schafft im Innern ein Bassin mit konstantem Wasserspiegel – eine von äußeren Einflüssen abgeschirmte, eigene neue Welt. Nach außen verändert sich die Erscheinung mit den Gezeiten: Bei Niedrigwasser zeigt sich seine massive, schützende Gestalt, während bei hoher Tide nur ein schmaler Rand über der Wasseroberfläche zu sehen ist.

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ConcreteDesignCompetition_2015_16_Preis_VirginiaClasen_6Der Schutzring bietet innerhalb seiner Struktur Raum für Forschungseinrichtungen, Wasserkraftanlagen und temporäre Wohnmöglichkeiten für Forscher, während die Türme als Planetarium, Observatorium und Besucherplattform genutzt werden. Seine Konstruktionsweise aus vorgefertigten Betonelementen, die schwimmend zur Anlage geschleppt und dort zur Absenkung partiell geflutet werden, ist durch die spezifischen Bedingungen des Ortes bestimmt. Die genaue Positionierung bietet Wind, Wellen und Strömungen die größtmögliche Angriffsfläche zur Energieerzeugung.

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Die Jury würdigt an der Arbeit besonders die ganzheitliche Betrachtung und Durcharbeitung unterschiedlichster Maßstabsebenen von der Analyse des Meeresströmungsverhaltens bis zur Detaillierung der Betonelemente und ihres Produktions- und Montageprozesses. Ganz selbstverständlich folgen dabei alle Entwurfsentscheidungen den Funktionen und äußeren Parametern, sodass man eigentlich von einem technischen Ingenieurbauwerk sprechen könnte. Dass dabei ein in seiner Anmutung sehr archaischer Ort mit einzigartiger Atmosphäre entsteht, ist die besondere Qualität des Entwurfs.

ConcreteDesignCompetition_2015_16_Preis_VirginiaClasen_5Zunächst unmaßstäblich erscheinend, entwickelt er eine große räumliche Kraft, die an Land Art Projekte erinnert und in ihrer räumlichen Sprache das Kosmische zum Ausdruck bringt, das der neuen Nutzung innewohnt. So bildet die Arbeit mit ihrem mutigen, großmaßstäblichen Ansatz ein Extrem im breiten Spektrum der Auslegung des Themas „Metamorphosis“ und damit einen herausragenden Beitrag zum Wettbewerb. Nicht zuletzt besticht sie durch ihre zugleich sachliche und sehr poetische Darstellungsweise.

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