Beim Concrete Design Competition 2016/17 SURFACE hat die Jury drei gleichrangige Preise vergeben, die wir nun hier vorstellen. Den Anfang macht der poetisch atmosphärische Entwurf eines in die Natur eingebetteten Werkstattgebäudes für eine Drechslerei im Berchtesgadener Land von Carolin Blaim und Sandra Panzer von der TU München.

Das am Lehrstuhl für Entwerfen und Gestalten von Prof. Uta Graff begleitete Projekt ist ein rundum überzeugender Beitrag zum Wettbewerbsthema SURFACE.
Szenographisch wunderschön inszeniert, haben die beiden Verfasserinnen das monolithische Werkstattgebäude wie eine Skulptur leicht verdreht mitten in eine idyllische Wiese zwischen den zugehörigen Hof, eine Lichtung und eine kleine Kapelle platziert. Der massive Baukörper aus Dämmbeton mit seinen Vor- und Rücksprüngen, Schrägen und Auskragungen wirkt eigenwillig und fremdartig an seinem Ort und fügt sich dennoch wie selbstverständlich in die Landschaft ein.

Inspiriert von Objekten und Fundstücken aus der Umgebung – einem Grenzstein, einer steinernen Brunnenabdeckung und einem Holzstapel mit Blechabdeckung – soll er als Artefakt gelesen werden, das gefunden und bezogen wurde.

Der objekthafte Ausdruck wird verstärkt durch die besondere Materialisierung des Gebäudes, welche die Eigenschaften und Möglichkeiten des Betons sehr konsequent umsetzt und prägend für den Entwurf ist: Die monolithische Bauweise mit Dämmbeton lässt den Baukörper wie aus einem Guss erscheinen, seine Öffnungen und räumlichen Durchdringungen wirken präzise durchdacht und authentisch. Durch die Beimischung von Eisenoxidpigmenten, die mit der Zeit oxidieren und den Beton tief rostrot färben, wird der Alterungsprozess des Materials inszeniert. Quadratische, mit breiten Fugen angebrachte Schalungsplatten erzeugen auf den äußeren Oberflächen des Gebäudes eine rohe, schroffe Struktur mit unregelmäßigen Ausstülpungen, die durch Benutzung und Alterung abbrechen sollen. So zeugt der Entwurf von einem großen Verständnis des Materials, seiner Oberfläche und seiner Vergänglichkeit, das die Jury besonders würdigen möchte.

Eine weitere Stärke der Arbeit ist die räumliche Gliederung der Funktionen Werkstatt, Lager, Atelier und Ausstellungsfläche, die fließend ineinander übergehen sich um das zentrale Element eines massiven Kamins bewegen. Als eingestelltes Objekt betrachtet, wird dieser – anders als die im Inneren vertikal geschalten rostroten Wände – mit grauem, geschliffenem Beton ausgeführt.

So ist der Entwurf über aller Maßstäbe, vom Kontext und der Typologie über die Grundrissorganisation bis zum Material und seiner Oberfläche konsequent durchgearbeitet. Besonders gelungen ist in den Augen der Jury auch die Darstellung des Projekts in Bildern und Modellen, die eine hohe poetisch atmosphärische Qualität vermitteln.

 

KOMMENTAR SCHREIBEN