Ein weiterer Preis beim Concrete Design Competition 2016/17 ging an Philipp Staab vom Karlsruher Institut für Technologie. Sein Entwurf eines Schaulagers für das Südwestdeutsche Archiv für Architektur und Ingenieurbau SAAI überzeugte die Jury durch seinen ebenso ungewohnten wie überzeugenden Umgang mit historischen Bestandsbauten und dem Baustoff Beton, der leicht und fast immateriell wirkt. 

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Das am Fachgebiet Baukonstruktion bei Prof. Ludwig Wappner entwickelte Archiv mit Lager- und Ausstellungsflächen für den Bestand an Modellen, Zeichnungen und Fotografien des SAAI wird in die bestehenden Gebäude des ehemaligen Zeughaus-Komplexes auf dem Karlsruher Universitätsgelände gleichsam implantiert: Drei der fünf Häuser des historischen Ensembles aus dem 18. Jahrhundert werden, teilweise entkernt, mit neuen Einbauten aus Beton gefüllt und durch steil aufragende Dachkörper in ihrer Höhe fast verdoppelt.

So interpretiert der Entwurf die städtebauliche Situation zwischen modernen Campus-Hochhäusern und angrenzenden Quartieren aus der Entstehungszeit der Stadt auf eine zugleich radikale und sensible Weise, bei der das Neue trotz seines großen Volumens den Bestand überraschenderweise nicht dominiert, sondern in seiner Präsenz stützt. Die Betoneinbauten fügen sich konstruktiv eigenständig mit stützenden Kernen für die dienenden und vertikalen Funktionen sowie zwischen den Kernen spannenden Archiv-Boxen in die – je nach Erhaltungszustand – mehr oder weniger stark entkernten Bestandsgebäude ein und formen oberhalb der historischen Fassaden steile, flach abschließende Dächer ohne Öffnungen. So entsteht Raum für drei bis vier zusätzliche Ebenen, die über Oberlichter belichtet werden oder unbelichtete Lager beinhalten. Diese Thematisierung und radikal geschlossene Umsetzung der Dächer betont die monolithische Qualität des Betons und verwischt auf faszinierende Weise die Dimensionen der Neubauten.

Darüber hinaus würdigt die Jury insbesondere den Dialog der Materialien, mit dem der Entwurf ein Spannungsfeld zwischen Bestand und Neuem aufbaut: Die historischen Außenwände mit ihren weißen Putzoberflächen bleiben rundum erhalten; dort, wo die neue Nutzung ohne Außenbezug und die Fassaden nicht mehr korrespondieren, entstehen durch die eingestellten Betonkörper blinde Fenster. Während im Innern eher niedrige Anforderungen an die Oberflächenqualitäten des Sichtbetons den funktionalen Charakter der neuen Bauteile unterstreichen sollen, wird die nach außen sichtbare Hülle aus Stahlbeton mit hochweißem Farbzuschlag ausgeführt, geschliffen und hochglänzend poliert. So erscheinen die neuen Baukörper hinter den stumpf weißen historischen Fassaden geheimnisvoll schimmernd und edel, in der leichten Neigung der Dächer spiegelt sich der Himmel und lässt die massigen Volumen leicht, fast transparent erscheinen. In dieser ungewöhnlichen Materialanmutung des Betons, der sonst meist tragend, roh und schwer wirkt, liegt für die Jury die große Überraschung und Faszination des Entwurfs.

 

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