Mit Gintare Gajauskaite und David Rosenthal wurde beim Concrete Design Competition 2016/17 SURFACE ein weiteres Team der TU München ausgezeichnet: Sie erhielten für ihr Projekt „Werkstatt“ eine Anerkennung. Ihr landschaftlich geprägter Entwurf einer Werkstatt für einen Drechsler in der Berchtesgadener Berglandschaft verbindet weiche, organische Formen mit hart und rau anmutendem Beton. 

Auf einer sanft welligen Wiese vor einer kleinen Baumgruppe platziert, setzt das Gebäude einen Maßstab, der die Größe und Weite der Umgebung stärker erlebbar macht. Seine organisch verschlungene Form weitet und verengt sich und definiert so verschiedene Außen- und Innenräume, die fließend ineinander übergehen. Sie umschließt Bäume und greift in den leicht ansteigenden Hang, wodurch der Eindruck einer massiven, aus der Landschaft herausgewachsenen Skulptur entsteht.

Die Frage der Ausführung der komplexen Form wird durch eine einfache, einschalige Konstruktion aus Dämmbeton beantwortet, bei der verschiedene Schalungsmaterialien zum Einsatz kommen. Außen greift eine Schalung aus biegsamem Wellblech die kurvige Formensprache des Grundrisses auf und verleiht dem Gebäude eine reliefierte, lebendige Oberfläche. Rau, fast brutalistisch wirkend, tritt sie auf sehr poetische Weise mit der weichen Zeichnung der Natur in Dialog. In dieser Wechselbeziehung, die das Artefaktische des Entwurfs betont, sieht die Jury die große Stärke des Entwurfs.

Der Innenraum mit Werkstatt, Atelier, Lager- und Ausstellungsflächen wirkt durch eine vertikale Holzbretterschalung ruhiger. Eine umlaufende Fuge gliedert die hohen Wände und setzt optisch eine Zone für die offen unter der Decke liegenden technischen Installationen ab. Großformatige Öffnungen stärken die Wechselbeziehung zwischen innen und außen.

Neben der hohen Durchgängigkeit von der Grundrisskonfiguration bis zum Schalungsmaterial überzeugt das Projekt auch durch seinen Umgang mit der Alterung des Materials, die als Teil des gestalterischen Konzepts begriffen wird. Gezielt an der Fassade ablaufendes Regenwasser soll diese unregelmäßig verfärben und das Gebäude so auf natürliche Weise noch stärker mit der Landschaft verschmelzen. Dieses malerische Moment der Alterung wird durch die von den Verfassern gestalteten Visualisierungen authentisch dargestellt; auch verschiedene Betonmodelle vom topografischen Umgebungsmodell über ein Gebäudemodell bis hin zum Fassadendetail vermitteln die Entwurfsideen auf sehr poetische Weise.

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